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Mai

Mein Tipp für den Mai: Die Unsterblichkeit der Maikäfer...

Haben Sie sie schon gesehen? Die Maikäfer sind wieder da. Am 25. 4. habe ich in Wien, 18. Bezirk, einen gesichtet. Sie sind zwar nicht so häufig wie früher, aber sie sind nicht ganz ausgestorben...

Vielleicht denken Sie jetzt, geschätzter Leser, der Autor dieses Beitrags ist selbst ein Fall für den Psychiater geworden. Aber es ist mein Ernst: Maikäfer, diese früher als Schädlinge verfolgten Tiere haben einen gewissen Bezug zu psychiatrischen Themen, genauer gesagt zu unseren Unbewussten.

Denn dieser Käfer legt seine Eier in den Boden. Es schlüpfen die Maden, Engerlinge genannt, die an den Wurzeln fressen. Das schädigt Pflanzen, kostet Kraft. Wenn sie fett genug sind, treten die Engerlinge in ein Ruhestadium. Sie verpuppen sich, um nach einiger Zeit - ganz anders aussehend - als ausgewachsene Käfer an die Oberfläche zu gelangen, zu fliegen, zu fressen, sich zu paaren und wieder Eier zu legen...

Wie viele Traumata, wie viele Probleme aus unserer Vergangenheit geht es so: wir haben darunter gelitten, es hat uns Kraft gekostet sie zu verarbeiten, dann sind sie plötzlich weg. Verschwunden, verdrängt - doch nach einiger Zeit tauchen sie wieder auf. In anderer Form, unbegreiflich, vielleicht als Panikattacke, Depression oder Besessenheit und dann sollen wir etwas tun? Und was passiert: wir Ärzte geben Beruhigungsmittel.

Ist es nicht so, als würden wir Insektizide ausstreuen, die nicht nur die Schädlinge, sondern auch die Nützlinge erwischen? Und genauer betrachtet, zeigen uns nicht auch die Schädlinge, dass wir etwas an unserem ökologischen Gleichgewicht verändern müssen?

Ein weiterer Tipp für den Mai: Der Mensch ist ein "Sinn"-liches Wesen!

Ist es Ihnen auch schon so gegangen? Sie gehen in der Früh aus dem Haus, und nach den ersten paar Schritten merken Sie: die Luft prickelt auf der Haut. Der Duft des Frühlings dringt Ihnen in die Nase und jeder Schritt ist ein Erlebnis! Der Mensch ist mit (mindestens) fünf Sinnen ausgestattet. Das Fühlen und das Riechen gehören auch dazu! Tatsächlich können wir mehr spüren, als wir glauben. Das prickelnde Gefühl der Luft z.B. kommt von dem Anteil an elektrischen Ladungen und frischen Sauerstoff, sowie von einer bestimmten Luftbewegung, -feuchtigkeit und -temperatur. Zusätzlich wird die Sonneneinstrahlung analysiert. All diese Parameter kann unsere Haut er-fühlen. Sie gibt uns das Gefühl der Frische und des Frühlingsmorgens weiter. Zusätzlich kann unsere Nase Tausende von chemischen Verbindungen durch "Riechen" auseinanderhalten. Gemeinsam bedingen diese beiden Organe die Freisetzung von Glückstoffen (Endorphine) und geruchsbasierenden Sexual-Stimulantien (Pheromone), die den Menschen auf die Fortpflanzung vorbereiten. Wird darum der Mai zum Monat der Liebe, zum Wonnemonat? Mehr über den sinnlichen Körper erfahren Sie auf meiner Seite (-> Körperbewusstsein).

Ein weiterer Tipp für den Mai: Sprachlosigkeit - ein Risikofaktor?

Reden ist Silber - Schweigen ist ...? Gilt dieser Grundsatz auch für Sie? Der Kenner genießt und schweigt. Aber ist es auch sinnvoll zu schweigen, wenn kein Genießen angesagt ist, wenn Sie eher leiden? Unser Gehirn hat es entwicklungsgeschichtlich so weit gebracht, da der Mensch der Sprache mächtig ist. Damit verbessert sich unsere Kommunikation, nicht nur für Jagd und Brutpflege, sondern auch und vor allem zur gemeinsamen Lösung komplexer Probleme. Nun ist aber gerade unsere Gesundheit oft das komplexeste Problem. Wen wundert es, wenn dann diejenigen, die Ihre Gefühle und Leiden sprachlich ausdrücken können, gesünder sind, als die, die alles verschweigen und in sich hinein fressen. Für Gefühle und körperliche Zustände kann man nichts, aber wenn wir sie niemanden mitteilen, sie auch für uns selbst nicht in Worte fassen, können sie unüberwindliche Probleme werden. Unsere wichtigsten Strategien, Probleme zu lösen, sind nun einmal nur über den sprachlichen Zugang erreich- und abrufbar.

Sprachloses Unglück ist ein Risikofaktor. Reden ist Gold - Schweigen ist Quecksilber!

Ein weiterer Tipp für den Mai: Helfen und helfen lassen

Für viele ist "helfen" ein hoher moralischer Wert. Wir leben im Glauben, es sei gut jemanden, der Hilfe benötigt, zu helfen. Aber ist das immer so? Wird nicht manchmal der Hilfsbedürftige erst dadurch richtig hilflos, weil er Hilfe annimmt und seine eigenen Kräfte, Ideen und Möglichkeiten nicht ausschöpft? Es muss gefragt werden: Dient die Hilfe dazu, den einen, den wesentlichen Schritt zu tun oder ist die Hilfe selbst ein Schritt in die Abhängigkeit? Ist dann eine solche Hilfe nicht schädlich, schränkt sie nicht die Möglichkeiten des Hilfe-Annehmenden ein? Wird er dadurch nicht in seiner Problematik festgeschrieben und wirklich hilf-los? Dann stellen sich unsere Werte auf den Kopf. Dann wird der Helfer zum Täter und der Hilflose erst recht zum Opfer. Daher kann und muss jede Hilfe gut überlegt und wohl "dosiert" sein. Sie soll eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Das Ziel ist: im Fluss des Lebens zu bleiben. Wer Hilfe annimmt, soll dann selbst wieder das Steuer für sein Lebensschiff übernehmen können!

Ein weiterer Tipp für den Mai: Menschliche Würde - Fremdwort in der Medizin oder Opfer der �Professionalität�?

Wie kann ein Mensch � in der Krankheit, im Koma, in seinen Schmerzen und seiner ganzen Einsamkeit die Würde bewahren? Ist es schlimm, am Sterbebett eines lieben Angehörigen zu weinen? Ist die/derjenige, die Emotionen zeigt ein Mensch zweiter Klasse? Ist eine Pflegeperson, die Gefühle zulässt �unprofessionell�?

Diese erschütternden Fragen werden immer wieder an mich gestellt. Und meine Antwort ist immer dieselbe: Emotionen zu zeigen, Trauer, Wut, Ärger Schmerz auszudrücken ist für jeden Menschen ein wichtiges und ernstes Bedürfnis und soll daher nicht verboten, tabuisiert oder unterdrückt werden. Die Emotionen gehören zum Prozess der Trauer, der Loslösung oder der Veränderung.

Auch professionelle Helfer dürfen emotional sein, ihre Gefühle wahrnehmen und artikulieren, das tut der Professionalität keinen Abbruch. Sie zeigt sich in ganz anderen Dingen. z.B. darin, zu erkennen welche Bedürfnisse ein Kranker oder ein Sterbender hat und diesen zu entsprechen. Diese Bedürfnisse sind oft nur er-spür-bar, sie werden nicht ausgesprochen. Wie kann dann das Verzichten auf die Gefühle professionell sein?

Ein weiterer Tipp für den Mai: Sexualität - "Reset" für das Alltagsleben?

Umfragen über Sexualität, Tests und psychologische Studien sind immer sehr beliebte Blickfänger in Tages- und Wochenzeitungen. Angeblich haben die ÖsterreicherInnen über 50 die befriedigendsten sexuellen Beziehungen in ganz Europa. So das Ergebnis der Umfrage, der Fragebogen wurde von Beschwerdefreien und Gesunden ausgefüllt. Aber wie schaut es wirklich aus? Natürlich hat ein Arzt, der ja wegen Krankheiten und unbefriedigender Zustände angesprochen wird ein anderes Bild:

Sexualität ist der Spiegel des eigene Wohlbefindens und vor allem der Spiegel der Beziehung. Überlastung, Schwierigkeiten im Beruf, aber auch Schwierigkeiten mit den Kindern, den Eltern oder andere Probleme wirken sich auf die Lust und das Bedürfnis nach Sexualität aus. Das muss gar nicht bedeuten, man hat sich nicht mehr lieb. Das heißt nicht unbedingt, man hat das Interesse am Partner verloren. Es heißt einfach, ich habe jetzt wichtigeres zu tun als an körperliche Nähe zu denken.

Und gerade das ist das Problem: durch körperliche Nähe, durch Zärtlichkeit und gemeinsame Entspannung, durch Eingehen aufeinander und Aussprechen der körperlichen Bedürfnisse können Partner sich gegenseitig so viel geben und unterstützen. Ohne viele Worte und ohne viel verstehen zu müssen wird die zärtliche, entspannte, körperliche Begegnung zum erfrischenden Reset für das Alltagsleben.